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Meine Seele und ich

Was ich tue?

Ich renne auf den Zug, hetze von Termin zu Termin, muss einen Bericht verfassen, eine Sitzzung vorbereiten, sollte eine Mail beantworten, Agendaprobleme auflösen, mich beim Lesen einer Schrift konzentrieren. Das geht schlecht. Zwischendurch gibt es einen Kaffee oder ein belegtes Brot, mal ein Bier, mal ein Blick in eine Zeitung und wieder weiter.

Aber meine Seele? Was tut sie die ganze Zeit? Wo ist sie? Ist noch da, trotz allem Scheiss? Hat sie Schaden genommen oder schläft sie einfach ruhig? Seelenruhig.

Aber wenn ich dann endlich erschöpft auf eine Bank sinke, ein bisschen Ruhe habe, dann erwacht sie. Sie zeichnet mir Blumen ins Gehirn, öffnet meine Ohren. Schon höre ich das Geräusch des Windes, das feine Lied eines Vogels. Sehe Blätter, die sich im Wind bewegen. Farben.

Dann gebe ich ihr ein Bier oder werfe ihr eine Gedichtzeile zu. Meine Seele und ich: Wir haben es gut zusammen